Freitag, 15. Dezember 2017

Weihnachten rückt immer näher...

...die Hektik wird in den meisten Fällen immer größer. Bei mir nicht - ich genieße die Zeit vor Weihnachten und freue mich auf Kerzenschein, Tee und etwas Gebäck. Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit. Einen schönen dritten Advent.Genießt es. Hans Seidel ist der Autor meiner heutigen Weihnachstgeschichte.



Das Weihnachtsland
Im letzten Hause des Dorfes, gerade dort, wo schon der große Wald anfängt, wohnte eine arme Witwe mit ihren zwei Kindern Werner und Anna. Das wenige, das in ihrem Garten und auf dem kleinen Ackerstück wuchs, die Milch, die ihre einzige Ziege gab, und das geringe Geld, das sie durch ihre Arbeit erwarb, reichten gerade hin, um die kleine Familie zu ernähren, und auch die Kinder durften nicht feiern, sondern mußten solche Arbeit leisten, wie sie in ihren Kräften stand. Sie taten das auch willig und gern und betrachteten diese Tätigkeit als ein Vergnügen, zumal sie dabei den herrlichen Wald nach allen Richtungen durchstreifen konnten. Im Frühling sammelten sie die goldenen Schlüsselblumen und die blauen Anemonen zum Verkauf in der Stadt und später die Maiglöckchen, die mit süßem Duft aus den mit welkem Laub bedeckten Hügelabhängen des Buchenwaldes emporwuchsen. Dann war auch der Waldmeister da mit seinen niedlichen Bäumchen, die gepflückt werden mußten, ehe sich die zierlichen weißen Blümchen hervortaten, damit seine Kraft und Würze fein in ihm verbleibe. Sie wanden zierliche Kränze daraus, denen noch, wenn sie schon vertrocknet waren, ein süßer Waldesduft entströmte, oder banden ihn in kleine Büschel, die die vornehmen Stadtleute in den Wein taten, auf daß ihm die taufrische Würze des jungen Frühlings zuteil werde.
Später schimmerten dann die Erdbeeren rot unter dem niedrigen Kraut hervor, und während nun die Kinder der reicheren Eltern in den Wald liefen und fröhlich an der reichbesetzten Sommertafel schmausten oder höchstens zur Kurzweil ein Beerensträußlein pflückten, um es der Mutter mitzubringen, saßen Werner und Anna und sammelten fleißig "die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen". Aber sie waren fröhlich dabei und guter Dinge, pflückten um die Wette und sangen dazu.
Noch späterhin wurden auf dem bemoosten Grunde des Tannenwaldes die Heidelbeeren reif und standen unter den großen Bäumen als kleine Zwergenländer beieinander, indem sie mit ihren dunklen Früchten wie niedliche Pflaumenbäumchen anzusehen waren. Auch diese sammelten sie mit blauen Fingern und fröhlichem Gemüt in ihre Töpfe, und dann ging's ins Moor, wo die Preiselbeeren standen, die so zierliche Blüten wie kleine, rosig angehauchte Porzellanglöckchen und Früchte rot wie Korallen haben und eingemacht über die Maßen gut zu Apfelmus schmecken.
Von der alten Liese, die alle Tage mit einem hinfälligen Rößlein und einem Wagen voll Gemüse und dergleichen in die Stadt fuhr und für die Kinder verkaufte, was sie gesammelt hatten, lernten sie noch manches kennen, was die Stadtleute lieben und gern für ein paar Pfennige erwerben.
So suchten sie in der Zwischenzeit allerlei zierliche Moose und Flechten, wie sie in trockenen Kiefernwäldern mannigfaltig den Boden bedecken und sich mit sonderlichen und zierlichen Gestaltungen bescheiden hervortun. Da fanden sie solches rot und ästig wie kleine Korallen und anderes, das einem Haufen kleiner Tannenbäumchen glich. Aus anderem wuchsen die Blütenorgane gleich kleinen Trompetchen oder spitzen Kaufmannstüten hervor, während wieder anderes kleine Keulen emporstreckte, die mit einem Knopf wie von rotem Siegellack geschmückt waren. Solches Moos lieben die Stadtleute auf einem Teller freundlich anzuordnen, damit sich ihr Auge, wenn es müde ist, über die große Wüste von Mauern und Steinsäulen zu schweifen, auf einem Stück fröhlichen Waldbodens ausruhen könne.
Unter solchen fleißigen und freudigen Tätigkeiten kam dann der Herbst heran und die Zeit, da die Stürme das trockene Holz von den Bäumen werfen und es günstig ist, die Winterfeuerung einzusammeln, die Zeit, wo sie sich schon zuweilen auf die schönen Winterabende freuten, wenn das Feuer in dem warmen Ofen bullert und sein Widerschein auf dem Fußboden und an den Wänden lustig tanzt, wenn die Bratäpfel im Rohr schmoren und zuweilen nach einem leisen "Paff" lustig aufzischen, und die Mutter bei dem behaglichen Schnurren des Spinnrades ein Märchen erzählt. Unter solchen Gedanken schleppten sie fröhlich Tag für Tag ihr Bündelchen Holz heim und türmten so allmählich neben der Hütte ein stattliches Gebirge auf. Zuweilen hing auch ein Beutel mit Nüssen an dem Bündel. Diese holten sie gelegentlich aus dem großen Nußbusch, wo in manchen Jahren so viele wuchsen, daß, wenn man mit einem Stock an den Strauch schlug, die überreifen Früchte wie ein brauner Regen herabprasselten. Wenn sie davon genug mitgebracht hatten, wurden die Nüsse in einen größeren Beutel getan und in den Rauchfang gehängt, um für Weihnachten aufgehoben zu werden. Weihnachten, das war ein ganz besonderes Wort, und die Augen der Kinder leuchteten heller auf bei seinem Klange. Und doch brachte ihnen dieser festliche Tag so wenig. Ein kleines winziges Bäumchen mit ein paar Lichtern und Äpfeln und selbstgesuchten Nüssen und zwei Pfefferkuchenmännern, darunter für jedes ein Stück warmes Winterzeug und, wenn's hoch kam, ein einfaches, billiges Spielzeug oder eine neue Schiefertafel, das war alles. Doch der Spitze des Bäumchens ging ein Leuchten aus, das seinen traulichen Schein durch das ganze Jahr verbreitete und dessen Abglanz in den Augen der Kinder jedesmal aufleuchtete, wenn das Wort Weihnachten nur genannt wurde.
Als es nun Winter geworden war und sie eines Abends behaglich um den Ofen saßen und die Mutter gerade eine schöne Weihnachtsgeschichte erzählt hatte, sah der kleine Werner eine Weile ganz nachdenklich aus und fragte dann plötzlich: "Mutter, wo wohnt der Weihnachtsmann?" Die Mutter antwortete, indem sie den feinen Faden durch die Finger gleiten ließ und das Spinnrad munter dazu schnurrte: "Der Weihnachtsmann? Hinter dem Walde in den Bergen! Aber niemand weiß den Weg zu ihm. Wer ihn sucht, rennt vergebens in der Runde. Und die kleinen Vögel in den Bäumen hüpfen von Zweig zu Zweig und lachen ihn aus. In den Bergen hat der Weihnachtsmann seine Gärten, seine Hallen und seine Bergwerke; dort arbeiten seine fleißigen Gesellen Tag und Nacht an lauter schönen Weihnachtsdingen. In den Gärten wachsen die silbernen und goldenen Äpfel und Nüsse und die herrlichsten Marzipanfrüchte, und in den Hallen sind die schönsten Spielsachen der Welt zu Tausenden aufgestapelt. Da gibt es Säle, die angefüllt sind mit den schönsten Puppen, gekleidet in Kattun, in Wolle, in Sammet und Seide"..."Ah:" sagte die kleine Anna, und ihre Augen leuchteten... " und andere wieder sind ganz voll von Trommeln und Säbeln und Gewehren, Kanonen und Bleisoldaten"... "Oh!" rief der kleine Werner, und seine Augen funkelten.
Diese Geschichte kam ihm nicht wieder aus dem Sinn, und er dachte es sich herrlich, wenn es ihm gelingen könnte, den Weg nach diesem Wunderland zu entdecken. Einmal war er bis an die Berge gelangt und dort lange umhergestreift; allein er hatte nichts gefunden als Täler und Hügel und Bäume wie überall. Die Bäche, die dort liefen, schwatzten und plauderten wie alle Bäche; allein sie verrieten ihr Geheimnis nicht. Die Spechte hackten und klopften dort wie anderswo im Walde auch und flogen davon, und an den Eichhörnchen, die eilig die Bäume hinaufkletterten, war auch nichts Besonderes zu sehen.
Wenn ihm nur jemand hätte sagen können, wie der Weg in das wunderbare Weihnachtsland zu finden sei, er hätte das Abenteuer wohl bestehen wollen. Die Leute, die er danach fragte, lachten ihn aus. Und als er deshalb der Mutter seine Not klagte, da lachte sie auch und sagte, das solle er sich nur aus dem Sinne schlagen; was sie ihm damals erzählt habe, sei ein Märchen gewesen wie andere auch.
Aber der kleine Werner konnte die Geschichte doch nicht aus seinen Gedanken bringen, obgleich er nun niemand mehr danach fragte. Nur mit der kleinen Anna sprach er zuweilen beim Holzsammeln davon, und beide malten sich schöne Traumbilder aus von den Herrlichkeiten des wunderbaren Weihnachtslandes.

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Dies und Das über Dankbarkeit und Neid

Wenn man es richtig betrachtet, so sind Dankbarkeit und Neid zwei Pflanzen, die nicht im gleichen Garten wachsen können.
Wer kennt das nicht? Der Nachbar hat plötzlich ein neues, teures Auto. Die junge Kollegin verdreht allen männlichen Mitarbeitern im Büro den Kopf, und der eigene Nachwuchs hat Aufstiegsmöglichkeiten, von denen wir früher nur träumen konnten. Und da hilft alles nichts: Einen solchen Wagen können wir uns im Augenblick einfach nicht leisten. Kein Schönheitswässerchen und kein Puder wird unser Äußeres so verändern, dass wir mit der jungen Kollegin auch nur annähernd mithalten können. Im Beruf sind wir nach unseren Möglichkeiten am Ende unserer Karriereleiter angelangt.
In solchen Situationen macht sich dieses nagende Gefühl in unserem Innern breit, das uns keine Ruhe finden lässt und das uns immer wieder dazu verleitet, Dinge zu sagen, die wir nicht sagen wollen und Dinge zu tun, die wir nicht tun sollten. Der Neid, angestachelt von der Habgier, äußert sich in der Regel so: "Ach, der Müller von nebenan, das war ja schon immer so ein Großprotz! Kein Wunder, dass der sich nun auch noch eine solche Karre anschafft! Aber der wird schon sehen, was er davon hat! Horrende Steuern, hoher Spritverbrauch. Und überhaupt: Auf die Umwelt nimmt so einer natürlich auch keine Rücksicht."
Keiner von uns kann sich davon lossprechen, nicht schon einmal neidisch gewesen zu sein. Das ist menschlich, allzu menschlich. Schon Kain und Abel hatten damit zu kämpfen, wie wir in der Bibel lesen können. Kain hatte, bei Licht besehen, gar keinen Grund, neidisch zu sein. Als Ackerbauer war er mindestens ebenso erfolgreich wie sein Bruder Abel als Schafhirte, denn beide konnten Gott zur Erntezeit ein Opfer darbringen. Aber Kain war in dieser bestimmten Situation offenbar nicht in der Lage, die eigenen Segnungen zu erkennen.
Der Ausweg aus diesem Dilemma führt über die Erkenntnis, dass auch wir im Leben vermutlich schon eine ganze Menge geschenkt bekommen haben. Man kann den Neid bekämpfen, indem man eine "Danbarkeitsliste"  aufstellt. Denke einfach daran, was dir in den letzten Tagen ein Lächeln entlockt hat. Einfach alles aufschreiben - jede Kleinigkeit. Man sollte versuchen sechs oder sogar zwölf Punkte zusammenzubekommen. Diese Liste sollte man an den Spiegel heften, an den Computer oder an den Kühlschrank.
Bestimmt war ich auch öfter mal neidisch. Aber mit zunehmendem Alter hat bei mir dieses Gefühl keine Chance mehr. Ich bin dankbar, dass ich mich noch allein versorgen kann, dass ich meinen Lesekindern eine Freude bereiten kann. Ich finde es furchtbar, wenn Menschen so neidisch sind, dass sie nichts anderes mehr sehen und dnken, sich vom Neid zerfressen lassen.
Gerade in dieser Zeit ist es doch nötig, dankbar zu sein und sich auf Weihnachten zu freuen. Wir sollten dankbar sein, dass es uns gutgeht. Wir müssen an die vielen Menschen denken, denen es lange nicht so gutgeht wie uns. und dann wissen wir, wie dankbar wir sein müssen.





Such' nicht immer, was dir fehle;
Demut fülle deine Seele.
Dank erfülle dein Gemüt.
Alle Blumen, alle Blümchen
und darunter selbst ein Rühmchen
haben auch für dich geblüht.

(Theodor Fontane)

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Dies und Das über die Meister im Netzbau

Ist es eigentlich bekannt, dass Kreuzspinnen verschiedene Arten von Fäden herstellen können? Das ist aber so.
Die einen sagen: Igitt, eine Spinne! Die anderen sagen: Pass auf, die ist gefährlich! Dabei muss man vor Kreuzspinnen keine Angst haben. Sie besitzen zwar Gift - aber für uns Menschen sind die Spinnen  normalerweise ungefährlich. Es sei denn, man hat eine Allergie gegen Insektengifte. Dann kann ein Biss unter Umständen gefährlich werden. Die Kieferklauen der Spinne sind aber eigentlich zu schwach und zu kurz, um unsere Haut zu durchdringen.
Auf dem Hinterleib haben die Kreuzspinnen  auffällige helle Punkte. Sie gaben den Tieren ihren Namen. Denn die Punkte bilden ein Kreuz.

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(Foto: Pixabay) 

Kreuzspinnen krabbeln in verschiedenen Farben umher: Gelblich und Hellbraun, Rot oder fast Schwarz. Die Farbe hängt davon ab, wo die Spinnen leben. Die dient ihnen zur Tarnung.
Kreuzspinnen sehen nicht nur cool aus. Sie können auch etwas Tolles: Sie bauen große Radnetze. Das machen aber nur Jungtiere und reife Weibchen. Die reifen Männchen sind in der Regel unterwegs, um nach Weibchen zu suchen. Etwa eine Stunde braucht die Kreuzspinne, um ein Netz zu bauen.
Doch wie fängt eine Spinne so etwas an? Sie sitzt zum Beispiel auf einem Ast. Nun spinnt sie einen dünnen Faden, der vom Wind davongetragen wird. Der Faden bleibt irgendwo hängen, zum Beispiel an einem anderen Ast. Die Spinne kann also nicht bestimmen, wo das Netz genau entsteht. Das hängt vom Wind ab. Wenn es windstill ist, können die Spinnen auch kein Netz bauen.
Für ein Netz ist dieser erste Faden noch zu dünn. Aber er kann das Gewicht der Spinne tragen. Beim Überqueren lässt die Spinne einen dickeren Faden heraus. Das ist der stabile Brückenfaden. Er bildet das Grundgerüst. Von der Mitte des Brückenfadens zieht die Spinne einen weitere Faden nach unten, zum Beispiel bis zum Boden. Nun geht es mit dem eigentlichen Netzbau los.
Kreuzspinnen können verschiedene Arten von Fäden erzeugen. Es gibt zum Beispiel die dicken Brückenfäden und superklebrige Fangfäden, in denen sich die Beute verfängt.
Und noch einen Trick hat die Spinne auf Lager. Wenn sie ein Netz aufgibt, frisst sie einen Teil der Fäden einfach auf - und kann sie später wiederverwenden.


Um den unendlichen Wert 
aller Dinge wahrnehmen zu können,
müssen wir dem Leben unsere volle und
ganze Aufmerksamkeit zuwenden.
(Jack Kornfield)

Dienstag, 12. Dezember 2017

Darüber habe ich mich riesig gefreut..

Am Samstag erreichte mich ein liebevoll gepackter Weihnachtsgruß. Er kam von der Insel, von der lieben Sheepy. Es tut mir so leid, dass ich leider keine Fotos mehr hochladen kann. Habe es heute noch einmal versucht - leider ohne Resultat. Egal , schreibe ich eben darüber:





Daraußen war alles weiß. Wunderschön - aber nur, wenn man nicht unbedingt raus musste. Leise rieselt der Schnee ist eines der bekanntesten Winterlieder in deutscher Sprache. Es wurde vom evangelischen Pfarrer Eduard Ebel (1839–1905) 1895 in Graudenz gedichtet und unter dem Titel Weihnachtsgruß in dessen Band Gesammelte Gedichte veröffentlicht.

 Leise rieselt der Schnee,
Still und starr liegt der See,
Weihnachtlich glänzet der Wald:
Freue Dich, Christkind kommt bald.

In den Herzen ist’s warm,
Still schweigt Kummer und Harm,
Sorge des Lebens verhallt:
Freue Dich, Christkind kommt bald.

Bald ist heilige Nacht;
Chor der Engel erwacht;
Horch’ nur, wie lieblich es schallt:
Freue Dich, Christkind kommt bald.

Neugierig habe ich das Päckchen geöffnet und heraus kam ein wunderbarer gefilzter Stern, eine ganz süße Karte, Tee in einer allerliebsten kleinen Dose und Gepäck (einfach lecker, kann ich euch sagen.)

Bildergebnis für Gefilzte Sterne 
Genau dieser Stern ist es. Ich habe ihn im Internet gefunden. Ich hoffe, liebe Sheepy , ich darf ihn hier veröffentlichen. Er ist einfach zu schön, ich muss ihn zeigen.

Bildergebnis für ein stern leuchtet für dich gedicht 
Des weiteren erreichte mich eine sehr schöne Karte aus dem  Atelier Wichtelhüsli.
Danke, liebe Yvonne - ich habe mich riesig darüber gefreut.

Der Aufruck:
"In uns selbst,
liegen die Sterne 
unseres Glücks"

passt so gut. Ein kleiner Wichtel ruht auf einem Stern.

Leider sieht es heute schon wieder grau in grau aus. Der Winter will uns foppen, so habe ich den Eindruck. Aber noch ist ja nicht Weihnachten. Wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben.


Scheint dir auch mal das Leben rau. Sei still und zage nicht.
Die Zeit, die alte Bügelfrau, macht alles wieder schlicht.
(Wilhelm Busch)


Montag, 11. Dezember 2017

Dies und Das über den Neandertaler


Bildergebnis für Neandertaler - kostenlose Fotos 
(Foto: Spektrum.de)
Vor 150 Jahren fanden italienische Steinbrucharbeiter im Neandertal bei Mettmann ein Stück Schädel und eine Handvoll Knochen. Fast wäre der außerordentliche Fund auf dem Abraum gelandet, wenn nicht ein Dorfschullehrer erkannt hätte, welche Sensation sich hinter den unscheinbaren Fossilien verbarg: eine neue, bis dahin unbekannte Menschenart. 
Zunächst leugnete die Forschung seine Existenz. Einige Wissenschaftler behaupteten, die Knochen stammten von einem Höhlenbären, andere waren der Ansicht, einen durch Rachitis veränderten Homo sapiens vor sich zu haben. Doch auch seit feststeht, dass es sich beim Neandertaler um einen Menschentypus handelt, der neben unseren Vorfahren auf der Erde lebte, über eine vergleichbare Intelligenz verfügte und uns an körperlicher Kraft weit übertraf, ist unser Verhältnis zum Neandertaler gestört.
Die große Frage, die uns immer noch beherrscht ist die:  Warum starben die Neandertaler aus? Sie trotzten der Eiszeit und waren dem Homo sapiens körperlich überlegen - dennoch überlebten sie nicht als eigenständige Art.
Unzählige Theorien versuchen zu erklären, warum sich die Spuren der Neandertaler vor 30 000 Jahren verlieren. Klimawandel? Vulkanausbruch? Hat der moderne Mensch sie ausgerottet?
Wahrscheinlich hatte der Homo sapiens bessere kommunikative Fähigkeiten und konnte schneller als
Gruppe handeln. Letztlich hat er den Neandertaler im Laufe von mehreren tausend Jahren wohl verdrängt.
 Bildergebnis für Neandertaler - Zitate und Gedichte


Samstag, 9. Dezember 2017

Der 2. Advent

Es ist soweit. Das zweite Adventswochenende steht vor der Tür. Habt es fein und genießt es. Gönnt euch Ruhe und Besinnlichkeit.

Ich freue mich sehr, dass
Elisabetta
und
Burgi vom Bodenseegarten
an den Neckarstrand gefunden haben. Herzlich willkommen. Nehmt Platz und fühlt euch wohl hier.


Und nun eine Weihnachtsgeschichte von Herman Löns:

Der allererste Weihnachtsbaum
Der Weihnachtsmann ging durch den Wald. Er war ärgerlich. Sein weißer Spitz, der sonst immer lustig bellend vor ihm herlief, merkte das und schlich hinter seinem Herrn mit eingezogener Rute her.
Er hatte nämlich nicht mehr die rechte Freude an seiner Tätigkeit. Es war alle Jahre dasselbe. Es war kein Schwung in der Sache. Spielzeug und Eßwaren, das war auf die Dauer nichts. Die Kinder freuten sich wohl darüber, aber quieken sollten sie und jubeln und singen, so wollte er es, das taten sie aber nur selten.
Den ganzen Dezembermonat hatte der Weihnachtsmann schon darüber nachgegrübelt, was er wohl Neues erfinden könne, um einmal wieder eine rechte Weihnachtsfreude in die Kinderwelt zu bringen, eine Weihnachtsfreude, an der auch die Großen teilnehmen würden. Kostbarkeiten durften es auch nicht sein, denn er hatte soundsoviel auszugeben und mehr nicht.
So stapfte er denn auch durch den verschneiten Wald, bis er auf dem Kreuzweg war. Dort wollte er das Christkindchen treffen. Mit dem beriet er sich nämlich immer über die Verteilung der Gaben.
Schon von weitem sah er, daß das Christkindchen da war, denn ein heller Schein war dort. Das Christkindchen hatte ein langes weißes Pelzkleidchen an und lachte über das ganze Gesicht. Denn um es herum lagen große Bündel Kleeheu und Bohnenstiegen und Espen- und Weidenzweige, und daran taten sich die hungrigen Hirsche und Rehe und Hasen gütlich. Sogar für die Sauen gab es etwas: Kastanien, Eicheln und Rüben.
Der Weihnachtsmann nahm seinen Wolkenschieber ab und bot dem Christkindchen die Tageszeit. "Na, Alterchen, wie geht's?" fragte das Christkind. "Hast wohl schlechte Laune?" Damit hakte es den Alten unter und ging mit ihm. Hinter ihnen trabte der kleine Spitz, aber er sah gar nicht mehr betrübt aus und hielt seinen Schwanz kühn in die Luft.
"Ja", sagte der Weihnachtsmann, "die ganze Sache macht mir so recht keinen Spaß mehr. Liegt es am Alter oder an sonst was, ich weiß nicht. Das mit den Pfefferkuchen und den Äpfeln und Nüssen, das ist nichts mehr. Das essen sie auf, und dann ist das Fest vorbei. Man müßte etwas Neues erfinden, etwas, das nicht zum Essen und nicht zum Spielen ist, aber wobei alt und jung singt und lacht und fröhlich wird."
Das Christkindchen nickte und machte ein nachdenkliches Gesicht; dann sagte es: "Da hast du recht, Alter, mir ist das auch schon aufgefallen. Ich habe daran auch schon gedacht, aber das ist nicht so leicht."
"Das ist es ja gerade", knurrte der Weihnachtsmann, "ich bin zu alt und zu dumm dazu. Ich habe schon richtiges Kopfweh vom vielen Nachdenken, und es fällt mir doch nichts Vernünftiges ein. Wenn es so weitergeht, schläft allmählich die ganze Sache ein, und es wird ein Fest wie alle anderen, von dem die Menschen dann weiter nichts haben als Faulenzen, Essen und Trinken."
Nachdenklich gingen beide durch den weißen Winterwald, der Weihnachtsmann mit brummigem, das Christkindchen mit nachdenklichem Gesicht. Es war so still im Wald, kein Zweig rührte sich, nur wenn die Eule sich auf einen Ast setzte, fiel ein Stück Schneebehang mit halblautem Ton herab. So kamen die beiden, den Spitz hinter sich, aus dem hohen Holz auf einen alten Kahlschlag, auf dem große und kleine Tannen standen. Das sah wunderschön aus. Der Mond schien hell und klar, alle Sterne leuchteten, der Schnee sah aus wie Silber, und die Tannen standen darin, schwarz und weiß, daß es eine Pracht war. Eine fünf Fuß hohe Tanne, die allein im Vordergrund stand, sah besonders reizend aus. Sie war regelmäßig gewachsen, hatte auf jedem Zweig einen Schneestreifen, an den Zweigspitzen kleine Eiszapfen, und glitzerte und flimmerte nur so im Mondenschein.
Das Christkindchen ließ den Arm des Weihnachtsmannes los, stieß den Alten an, zeigte auf die Tanne und sagte: "Ist das nicht wunderhübsch?"
"Ja", sagte der Alte, "aber was hilft mir das ?"
"Gib ein paar Äpfel her", sagte das Christkindchen, "ich habe einen Gedanken."
Der Weihnachtsmann machte ein dummes Gesicht, denn er konnte es sich nicht recht vorstellen, daß das Christkind bei der Kälte Appetit auf die eiskalten Äpfel hatte. Er hatte zwar noch einen guten alten Schnaps, aber den mochte er dem Christkindchen nicht anbieten.
Er machte sein Tragband ab, stellte seine riesige Kiepe in den Schnee, kramte darin herum und langte ein paar recht schöne Äpfel heraus. Dann faßte er in die Tasche, holte sein Messer heraus, wetzte es an einem Buchenstamm und reichte es dem Christkindchen.
"Sieh, wie schlau du bist", sagte das Christkindchen. "Nun schneid mal etwas Bindfaden in zwei Finger lange Stücke, und mach mir kleine Pflöckchen."
Dem Alten kam das alles etwas ulkig vor, aber er sagte nichts und tat, was das Christkind ihm sagte. Als er die Bindfadenenden und die Pflöckchen fertig hatte, nahm das Christkind einen Apfel, steckte ein Pflöckchen hinein, band den Faden daran und hängte den an einen Ast.
"So", sagte es dann, "nun müssen auch an die anderen welche, und dabei kannst du helfen, aber vorsichtig, daß kein Schnee abfällt!"
Der Alte half, obgleich er nicht wußte, warum. Aber es machte ihm schließlich Spaß, und als die ganze kleine Tanne voll von rotbäckigen Äpfeln hing, da trat er fünf Schritte zurück, lachte und sagte; "Kiek, wie niedlich das aussieht! Aber was hat das alles für'n Zweck?"
"Braucht denn alles gleich einen Zweck zu haben?" lachte das Christkind. "Paß auf, das wird noch schöner. Nun gib mal Nüsse her!"
Der Alte krabbelte aus seiner Kiepe Walnüsse heraus und gab sie dem Christkindchen. Das steckte in jedes ein Hölzchen, machte einen Faden daran, rieb immer eine Nuß an der goldenen Oberseite seiner Flügel, dann war die Nuß golden, und die nächste an der silbernen Unterseite seiner Flügel, dann hatte es eine silberne Nuß und hängte sie zwischen die Äpfel.
"Was sagst nun, Alterchen?" fragte es dann. "Ist das nicht allerliebst?"
"Ja", sagte der, "aber ich weiß immer noch nicht..."
"Komm schon!" lachte das Christkindchen. "Hast du Lichter?"
"Lichter nicht", meinte der Weihnachtsmann, "aber 'nen Wachsstock!"
"Das ist fein", sagte das Christkind, nahm den Wachsstock, zerschnitt ihn und drehte erst ein Stück um den Mitteltrieb des Bäumchens und die anderen Stücke um die Zweigenden, bog sie hübsch gerade und sagte dann; "Feuerzeug hast du doch?"
"Gewiß", sagte der Alte, holte Stein, Stahl und Schwammdose heraus, pinkte Feuer aus dem Stein, ließ den Zunder in der Schwammdose zum Glimmen kommen und steckte daran ein paar Schwefelspäne an. Die gab er dem Christkindchen. Das nahm einen hellbrennenden Schwefelspan und steckte damit erst das oberste Licht an, dann das nächste davon rechts, dann das gegenüberliegende. Und rund um das Bäumchen gehend, brachte es so ein Licht nach dem andern zum Brennen.
Da stand nun das Bäumchen im Schnee; aus seinem halbverschneiten, dunklen Gezweig sahen die roten Backen der Äpfel, die Gold- und Silbernüsse blitzten und funkelten, und die gelben Wachskerzen brannten feierlich. Das Christkindchen lachte über das ganze rosige Gesicht und patschte in die Hände, der alte Weihnachtsmann sah gar nicht mehr so brummig aus, und der kleine Spitz sprang hin und her und bellte.
Als die Lichter ein wenig heruntergebrannt waren, wehte das Christkindchen mit seinen goldsilbernen Flügeln, und da gingen die Lichter aus. Es sagte dem Weihnachtsmann, er solle das Bäumchen vorsichtig absägen. Das tat der, und dann gingen beide den Berg hinab und nahmen das bunte Bäumchen mit.
Als sie in den Ort kamen, schlief schon alles. Beim kleinsten Hause machten die beiden halt. Das Christkindchen machte leise die Tür auf und trat ein; der Weihnachtsmann ging hinterher. In der Stube stand ein dreibeiniger Schemel mit einer durchlochten Platte. Den stellten sie auf den Tisch und steckten den Baum hinein. Der Weihnachtsmann legte dann noch allerlei schöne Dinge, Spielzeug, Kuchen, Äpfel und Nüsse unter den Baum, und dann verließen beide das Haus so leise, wie sie es betreten hatten.
Als der Mann, dem das Häuschen gehörte, am andern Morgen erwachte und den bunten Baum sah, da staunte er und wußte nicht, was er dazu sagen sollte. Als er aber an dem Türpfosten, den des Christkinds Flügel gestreift hatte, Gold- und Silberflimmer hängen sah, da wußte er Bescheid. Er steckte die Lichter an dem Bäumchen an und weckte Frau und Kinder. Das war eine Freude in dem kleinen Haus wie an keinem Weihnachtstag. Keines von den Kindern sah nach dem Spielzeug, nach dem Kuchen und den Äpfeln, sie sahen nur alle nach dem Lichterbaum. Sie faßten sich an den Händen, tanzten um den Baum und sangen alle Weihnachtslieder, die sie wußten, und selbst das Kleinste, das noch auf dem Arm getragen wurde, krähte, was es krähen konnte.
Als es hellichter Tag geworden war, da kamen die Freunde und Verwandten des Bergmanns, sahen sich das Bäumchen an, freuten sich darüber und gingen gleich in den Wald, um sich für ihre Kinder auch ein Weihnachtsbäumchen zu holen. Die anderen Leute, die das sahen, machten es nach, jeder holte sich einen Tannenbaum und putzte ihn an, der eine so, der andere so, aber Lichter, Äpfel und Nüsse hängten sie alle daran.
Als es dann Abend wurde, brannte im ganzen Dorf Haus bei Haus ein Weihnachtsbaum, überall hörte man Weihnachtslieder und das Jubeln und Lachen der Kinder.
Von da aus ist der Weihnachtsbaum über ganz Deutschland gewandert und von da über die ganze Erde. Weil aber der erste Weihnachtsbaum am Morgen brannte, so wird in manchen Gegenden den Kindern morgens beschert.


In meiner Jugend war bei uns auch immer am 1. Feiertag Bescherung. Erst viel später, ging man auf den Heiligen Abend über. Um 6,00 Uhr ging man zur Kirche. In der Zwischenzeit hatte der Vater den Ofen befeuert, ein paar Tannenzweige auf die Platte gelegt. Ein wunderbarer Geruch durchsströmte das Zimmer. Nach dem Frühstück durften wir dann das Weihnachtszimmer betreten.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Das ist eine andere Seite....

Im 9. Jahrhundert blüht in der islamischen Welt die Wissenschaft. In Bagdad werden die Schriften der Antike übersetzt, hier forschen die klügsten Gelehrten. Von ihrem Entdeckergeist profitiert die westeuropäische Kultur bis heute.
Seine Leidenschaft galt der Wissenschaft. Kalif Abu Dscha`far Abdullah al-Ma`mun, Sohn des märchenhaften Harun ar-Raschid und Herrscher des islamischen Reiches von 813 bis 833, war getrieben von dem Wunsch, alle wissenschaftlichen Schriften der Welt unter einem Dach zu versammeln. Genauer: im bat al-hikma, dem  "Haus der Weisheit", um sie dort ins Arabische übersetzen zu lassen. Untergebracht in den Palastbauten Alp-Ma`muns, war das  "Haus der Weisheit" Bibliothek und Akademie zugleich: ein thinktank, in dem die Gelehrten des islamischen Reiches zusammenkamen, um ihr Wissen zu mehren.

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Mit der Gründung des Hauses im Jahr 825 begann das Goldene Zeitalter der Wissenschaft im Islam. Kalif Al-Ma´mun holte die klügsten Köpfe nach Bagdad. Die Hauptstadt war nicht nur Verwaltungszentrum der islamischen Welt, sondern auch Mittelpunkt von Handel, Kunst und Kultur - und der Wissenschaft. Ende des 9. Jahrhunderts soll es hier mehr als 100 öffentliche Bibliotheken gegeben haben; manche davon angeblich so groß wie sämtliche Bestände des Abendlandes zusammen.
Nicht nur muslimische Araber forschten in Bagdad, auch Perser, Juden und Christen. Arabisch war jedoch die Lingua franca der Wissenschaft. Und während sich Europa in einem geistigen Dämmerschlaf befand, das Wissen der Griechen in Vergessenheit geraten war, erfuhren die alten Geistesgrößen von Ptolemäus über Euklid bis Aristoteles in Bagdad eine Auferstehung. Eine gewaltige Übersetzungsbewegung kam in Gang. Nicht nur das Wissen der Griechen, auch das der Perser und Inder wurde ins Arabische übertragen. Die Gelehrten beschäftigten etliche Übersetzer und Schreiber, alle großzügig finanziert von dem Kalifen und der herrschenden Abbasiden-Elite.
Zwar gab es weitere  "Wissenschaftszentren", darunter Kufa, Basra, Cordoba und später auch Kairo. Aber Bagdad war der Motor des Zeitalters der Gelehrsamkeit. Man müsse  "die Wahrheit auch bei fernen Nationen suchen, die nicht unsere Sprache sprechen", schrieb Al-Kindi, der erste große Philosoph der Araber (813-873):
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(Cordoba)

Ende des 10.Jahrhunderts lagen alle großen Werke des Alterstums auf Arabisch vor. Jetzt wurde darauf aufgebaut. Die Araber waren nicht nur die Fackelträger antiken Wissens, beließen es aber nicht beim Übersetzen, sondern systematisierten, kommentierten und interpretierten das Erbe der Alten. Die Synthese ihrer Erkenntnisse ging weit über die Summe des bisherigen Wissens hinaus.
Der irakisch-britische Wissenschaftshistoriker Jim al-Khalili bezeichnet in seinem Buch  "Im Haus der Weisheit" die arabischen Gelehrten als Empiriker, als die eigentlichen Schöpfer der naturwissen- schaftlichen Methode: des Sammelns von Daten durch Beobachtung und Messung des Formulierens und Überprüfens von Hypothesen, mit denen man  die Daten erklären will - lange bevor Francis Bacon  und René Descartes im 17. Jahrhundert auftraten, denen üblicherweise dieses Verdienst zugeschrieben wird.
Unter der Schirmherrschaft Al-Ma`muns herrschten beste Arbeitsbedingungen: Der Kalif gab unter anderem den Bau einer Sternwarte in Auftrag; Ein Team aus Mathematikern, Geografen und Astronomen sollte das Weltbild und die Erkenntnisse von Ptolemäus überprüfen. Es war vermutlich das erste staatlich finanzierte Großforschungsprojekt der Geschichte.

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(Al-Ma`mun)

Die Liste der bedeutenden Wissenschaftler aus der Blütezeit der islamischen Welt füllt Bände. Zu den Gelehrten im bait al-hikma gehörte auch Al-Chwarismi, Mathematiker, Astronom und Geograf. Ohne ihn wäre die heutige Mathematik nicht denkbar. Sein Buch Al-Gabr begründete die Algebra. Die Karten des Geografen Al-Idrisi blieben für Jahrhunderte das Maß der Dinge. Kolumbus segelte mit einem arabischen Kompass nach Westen, der dänische Astronom Tycho Brahe arbeitete im 16. Jahrhundert mit Techniken, welche die Araber Generationen zuvor entwickelt hatten. Die Kopernikanische Wende, schreibt Al-Khalili, wäre ohne die Vorarbeit der arabischen Wissenschaften nicht möglich gewesen. Das gilt auch für andere Gebiete. Das "Buch der Optik" des Physikers Al-Haytham, ein Lehrbuch mit Beschreibungen von Experimenten, soll Jahrhunderte später Roger Bacon zur Erfindung der Brille verholfen haben.
Groß waren auch die Fortschritte  in der Medizin. Gegen Ende des 8. Jahrhunderts soll es in Bagdad bereits einige Hundert Krankenhäuser gegeben haben, mit hohem ethischem Standard. Erwartet wurde, dass Ärzte die Patienten gleich behandelten, unabhängig von Herkunft und Vermögen. Treibende Kraft war Al-Rasi, ein Perser. Er verfasste erste klinische Studien mit Kontrollgruppen, forschte über Pocken und Masern und leistete Pionierarbeit in der Kinderheilkunde und der Psychiatrie.
Natürlich darf aber einer nicht fehlen: Ibn Sina - latinisiert Avicenna (980-1037). Kein anderer aus dem Morgenland hat das Abendland so geprägt wie er. Er verfasste mehr als 400 Schriften zu Physik, Medizin, Mathematik und Ethik. Sein Kanon der Medizin, der von 1150-1187 ins Lateinische übersetzt wurde, war auch in Europa über sechs Jahrhunderte hinweg das Standardwerk der Mediziner.
All dieses Wissen fand über Andalusien seinen Weg nach Europa. Wieder begann eine Periode emsiger Übersetzungen, diesmal in Städten wie dem spanischen Toledo - diesmal vom Arabischen ins Lateinische.
Nicht lange danach endete die Erfolgsgeschichte der arabischen Wissenschaft - in Bagdad, wo alles begonnen hatte. 1258 verwüsteten die Mongolen das damalige Zentrum der Zivilisation. Glaubt man den Geschichtsschreibern, türmten sich die Schädelpyramiden haushoch und das Wasser des Tigris färbte sich schwarz von der Tinte der Abertausend Bücher, welche die Eroberer in die Fluten geworfen hatten. Die Zerstörung Bagdads ist nur eine von vielen Ursachen für den Niedergang der Wissenschaft in der islamischen Welt. Aber sie markierte den Anfang vom Ende der Blütezeit des Islams.
Bildergebnis für ZEITGeschichte Panorama Der Orient

Ein Sonderheft "ZeitGeschichte Panorama". Eine Investition die sich gelohnt hat. Mein Text wurde den Ausführungen von Arnfried Schenk zugrunde gelegt. Ich weiß, ein langer Post - aber kürzer ging es einfach nicht.